Steingasse 21, Salzburg

Bei der ersten Besichtigung entstand der Eindruck, die 2 Geschosse wären eigentlich abbruchreif. Man hörte auch: „Da haben wir schon schönere Dachstühle abgerissen“. Unter Bodenbrettern fand man unter Begleitung eines Archäologen Schuttreste aus einer sparsamen Reparatur nach dem Krieg. Im Baumüll, der am Boden deponiert war, fand man eine AUSTRIA 3 Zigarettenschachtel im klassischen Design. Für Raucher war nun die Zeit der letzten Sanierung klar. Mit zunehmender Beschäftigung mit der Altsubstanz konnten Originale des mehrfach umgebauten Dachstuhles aus dem Barock erkannt werden.

Zitat Gutachten Bundesdenkmalamt:
„ Das Objekt Steingasse 21 stellt eine im Kern mittelalterliche (Stadtbefestigung 13. Jhdt.), vor allem spätgotisch geprägte, insgesamt 4-stöckige Anlage mit gewölbten Räumen bis ins 2. OG sowie bedeutenden Ausstattungsdetails des 16. bis 19. Jhdts., in einem in der Innenstadt bereits selten gewordenen Anteil an unveränderter Originalbausubstanz dar. Das Bauwerk befindet sich an einer städtebaulichen Schlüsselposition am Fuß der südlichen Kapuzinerbergfelswand zur Steingasse, nördlich des ehem. Stadttores „Inneres Steintor“, Steingasse 23. Die Nachbarschaft der beiden Gebäude zeichnet sich durch eine stockwerksweise partielle Überbauung der Adresse Steingasse 21 über die Adresse Steingasse 23 vom 1. bis 3.OG aus.  Die Erschließung des Hauses Steingasse 21 erfolgt über ein nördlich (berghangseitig) gelegenes, strukturell linear geprägtes, vorwiegend innenliegendes Treppen- und Korridorsystem, welches bis ins 2.OG an die blanke Felswand anstößt. Ab dem 3.OG liegt in Substanz und Ausstattung eine barockzeitliche Bebauung des 18. Jdts. mit Abänderungen des 19.Jhds. vor.“ 

Eine aufwändige Sanierung begann. Die erhaltenswürdigen Teile und Bereiche wurden ertüchtigt und ein neuer Dachstuhl über den Bestand, den aktuellen Normen bezüglich Standfestigkeit und Wärmeschutz entsprechend, darüber gestülpt. Die typische  kleinteilige Struktur der Steingassen Handwerker – Bürgerhäuser gestattete große Wohnqualität mit dem aktuellen haustechnischen Standard zu verwirklichen. Eine Besonderheit stellt die teilweise Einbeziehung des Dachraumes in den Wohnbereich dar. Die  Aufgangstreppen der obersten Wohnungen führen auf eine in der Grabenrinne des Daches ausgebildete Terrasse. Der Ausblick ist Anblick, Anblick der schönsten Seite unserer Stadt. Die Festung samt der Altstadt wird zum Greifen nahe.  

Mit der Sanierung der oberen Geschosse des Hauses Steingasse 21 ist es wiederum gelungen, unter Bedachtnahme auf die historische Substanz, zeitgemäße Wohnqualität zu verwirklichen. Es ist kein Geheimnis, dass sich Menschen in Häusern, die schon ein halbes Jahrtausend und mehr Jahre alt sind, sehr wohl fühlen. Man muss ihnen nur die zeitgenössische Haustechnik einbauen. Dies hört sich ganz einfach an, aber der Weg zu diesem Ergebnis ist wie immer etwas verschlungen, umso schöner ist die Ankunft am Ziel.